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Studienbeginn von dissens e.V.

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Sozialwissenschaftliche Aufarbeitung der Fälle von sexualisierter Gewalt in der Ev. Jugend Bielefeld der Nachbarschaft 06 im Bereich der Dietrich-Bonhoeffer Gemeinde

„Aufarbeitung ist Arbeit an verloren gegangenem Vertrauen.“ – Mit diesem Grundverständnis wird dissens e.V. seine Studienarbeit zur sozialwissenschaftlichen Aufarbeitung der Fälle von sexualisierter Gewalt in der Ev. Jugend Bielefeld der Nachbarschaft 06 im Bereich der Dietrich-Bonhoeffer Gemeinde in den kommenden Tagen beginnen. Im Konsens mit einer Initiative der Betroffenen hat der Kirchenkreis das Berliner Studieninstitut im Frühsommer beauftragt.

In einer ersten Phase der Studie wird Betroffenen ermöglicht, im Rahmen von Interviews ihr Erleben, auf Wunsch auch anonym, zu erzählen und damit einen wichtigen Schritt zur persönlichen Aufarbeitung zu gehen. Weiter gehende Hilfsangebote zur persönlichen Aufarbeitung können ggf. mit den Interviews verbunden werden. Sofern Betroffene von sexuellen Übergriffen im Zeitraum zwischen 2001 und 2021 sich bislang nicht gemeldet haben, werden diese ausdrücklich ermutigt, sich in Verbindung mit der Studienarbeit zu melden und auf Wunsch auch zu beteiligen. „Uns ist wichtig, dass alle, die Übergriffe erlebt haben, Unterstützungsangebote bekommen, um das Erlebte zu verarbeiten“, betont Pfarrerin Nora Göbel.

Angebote der Seelsorge und der persönlichen Beratung bestehen anonymisiert und bei Verschwiegenheit zu jeder Zeit, auch unabhängig von der Studienarbeit, unter folgenden Kontakten: (britta.juengst@ekvw.de, Telefon: 0151 576 59 323; (0521) 59 42 08 Sekretariat, als kirchlicher Kontakt; info@wildwasser-bielefeld.de, Telefon: (0521) 17 54 76, als externe Beratungsmöglichkeit).

Neben der persönlichen Aufarbeitung besteht ein weiterer Inhalt des Studienauftrags in der Frage, welche organisationalen Bedingungen die Taten möglicherweise begünstigt und dazu beigetragen haben, dass Vertrauensmissbrauch auch innerhalb der Organisation wirksam werden konnte. Interviewt werden daher auch frühere Mitarbeitende in kirchlichen Strukturen und Kolleg:innen des nunmehr verurteilten Täters. Zudem werden Protokolle und Akten durch dissens e.V. gesichtet und ausgewertet.

„Wir wollen aus den Erfahrungen lernen, Schwächen unserer Organisationsstruktur erkennen, Risiken identifizieren und weitestgehend minimieren“, nennt Superintendent Christian Bald als weiteres wesentliches Ziel der Studie und ruft dazu auf. „Wer dazu aus der Perspektive der Organisation beitragen kann, soll sich nach Möglichkeit an dem Prozess der weiteren Aufarbeitung beteiligen.“ Die gewonnenen Erkenntnisse werden in die Weiterentwicklung der Präventionsarbeit sowie der inzwischen vorliegenden Schutzkonzepte einfließen. „Wir wollen, dass die Kirche mit ihren Angeboten ein sicherer Ort ist“, macht Präventionsfachkraft Manuela Kleingünther den Anspruch des Kirchenkreises deutlich.

Den Abschluss des strafrechtlichen Verfahrens gegen den früheren hauptamtlichen Jugendmitarbeiter hatte das Studieninstitut zur Voraussetzung für den Studienbeginn gemacht. Bis zum Abschluss der Studie nimmt dissens e.V. einen Zeitraum von etwa 21 Monaten in Aussicht.

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