Pfarrerin Ulrike Hollmann-Beninde (63), langjährige Krankenhausseelsorgerin im Franziskushospital und seit 15 Jahren Frauenreferentin im Kirchenkreis, geht zum 1. Mai 2025 in den Ruhestand.
Mit Blick auf ihre Motivation, Anfang der 1980er Jahre Evangelische Theologie zu studieren, erzählt sie: „Als Jugendliche hat mich fasziniert, wie erwachsene Christ:innen sich für Frieden und Gerechtigkeit eingesetzt haben – damals in meiner Herkunftsgemeinde – und ich habe Kirche erlebt als einen Ort der Begegnung und der gemeinsamen Aktion.“ Besonders fasziniert und begeistert habe sie, dass Bibel, Tradition und progressives politisches Engagement Hand in Hand gingen und die Gemeinde ein Ort war, wo sie sich gut beheimatet fühlte. „Die Friedensbewegung der 1980er Jahre bestärkte und motivierte mich, und schon in den ersten Semestern meines Studiums entdeckte ich die feministische Theologie.“ So ging sie zum Studium u.a. nach Amsterdam. Dort setzte sich die angehende Pastorin intensiv mit der lateinamerikanischen und südafrikanischen Befreiungstheologie auseinander und es entwickelte sich für sie eine neue Sichtweise und Einsicht: Theologie ist immer kontextuell, immer in Bewegung, immer bestimmt von der eigenen persönlichen und gesellschaftlichen Situation. Hollmann-Beninde rückblickend: „Das gilt auch für die biblischen Schriften und die Dogmatik. Wie befreiend ist (und war) das denn! Mit dieser Sichtweise konnte ich Theologin und später Pfarrerin werden und sein.“
Nach ihrem Studium und Vikariat wurde Ulrike Hollmann-Beninde 1993 zunächst Krankenhausseelsorgerin im Franziskus-Hospital in Bielefeld. In der Arbeit dort habe sie viel von und mit unterschiedlichen Menschen gelernt. So zum Beispiel, als Pfarrerin Begegnung und professionelle Nähe anzubieten und die persönliche Unterstützung für eine oft kurze und intensive Zeitspanne – ohne einen Menschen langfristig an mich zu binden. Hollmann-Beninde: „Das liegt mir. In den vielen Jahren im Franziskus-Hospital habe ich gelernt, Bedürfnisse meines Gegenübers wahrzunehmen und einzuordnen: mal ist Krisenkommunikation notwendig, mal ein kleines nettes Gespräch, immer vor allem sensibles und aktives Zuhören. Kompetente Gesprächsführung zu erlernen und eine intensive Schulung in Selbstwahrnehmung sind Voraussetzung für diese Arbeit.“
2010 ergab sich für sie die Gelegenheit, Frauenreferentin des Kirchenkreises zu werden. Das passte für sie sehr gut, denn in dieser Zeit suchte sie neue Herausforderungen, wollte gern mit Frauen zu aktuellen Themen, auch biblisch-theologischen, arbeiten und Gemeinsames gestalten. Themen und Fragen gab es da genug für die Theologin, etwa die: Gibt es in unseren Gottesdiensten gendergerechte Sprache? Fühlen sich ehrenamtlich engagierte Frauen in ihren Gemeinden hinreichend gewertschätzt? Wo kann ich mit der Bielefelder Frauenszene kooperieren?
In den vielen Jahren als Frauenreferentin des Kirchenkreises gab es eine ganze Reihe von Highlights. Und so erzählt sie, während sie ihr Büro im Haus der Kirche ausräume, ihr Vieles noch einmal durch die Hände gehe: Vorträge und Gruppennachmittage, Weltgebetstagsvorbereitungen, Gottesdienste, Beerdigungen und so manches mehr. Das sie auch dort am richtigen Ort war, spürt man. Hollmann-Beninde: „Ein vielfältiges Arbeitsfeld mit inspirierenden und auch mit erschöpfenden Begegnungen, mit Erfolgen und Mühsal, mit viel Lachen und manchmal auch Traurigkeit. Und immer wieder die Gelegenheit, Neues zu lernen von Menschen in aller Vielfalt, verschiedener Generation und Erwartung, unterschiedlichem Engagement und Perspektiven. Ich habe viel gelernt und erlebt und meinen Horizont erweitern können und dafür bin ich auch total dankbar!“ und dann fügt sie mit klarem Blick nach vorn hinzu: „Jetzt gehe ich weiter und bin ab 1. Mai 2025 mit 63 Jahren im Ruhestand.“

