„Warum ein Segensbüro?“ Die Frage beantworteten die drei Projektverantwortlichen damit, dass die Differenz der Ein- und Austritte in allen 20 Landeskirchen negativ sei und mehr Menschen aus der Evangelischen Kirche austreten als Eintritte zu verzeichnen seien. Zudem zeige die Freiburger Studie auf, dass die Bindung zu Ortsgemeinden abnimmt und sich das Kirchenbild verändert. Der gleichzeitige Rückgang im Bereich der Pfarrstellen zeige die Herausforderung der Aufgabenverteilung und Abdeckung der Verantwortungsbereiche, wie bspw. Kasualien.
Bereits in der 2023 beschlossenen Konzeption habe der Kirchenkreis Bielefeld sich für eine Zukunft ausgesprochen, in der Aufbruch und das Einschlagen neuer Wege notwendig sind: „Durch das Angebot der Kasualien (Taufe, Trauung, Bestattung) begleiten wir Menschen an den Wendepunkten/Schwellensituationen ihres Lebens. Wir sprechen ihnen Segen, Trost und Zuversicht zu. In ihrer Relevanz für eine lebensgeschichtliche Begleitung erachten wir die Kasualien als ein wesentliches Angebot, das durch eine achtsame Gestaltung Relevanz vermittelt. Wir sind nah bei den Menschen und niederschwellig erreichbar.”
Das Segensbüro soll demnach ein zentralisiertes Ergänzungs- und Entlastungsangebot zu den Ortsgemeinden werden. Es soll informieren und werben und vor allem Kasualhandlungen planen und durchführen sowie die Organisation gesamtstädtischer Veranstaltungen. Leitmotiv dabei sei die Orientierung an individuellen Themen und Bedürfnislagen. Pfarrerin Göbel: „Wir wollen Menschen erreichen, die keine Anbindung an die Ortsgemeinde haben und sonst auf kirchliche Angebote verzichten würden bzw. gar nicht wissen, was sie bieten." Pfarrer Georg Mikulski ergänzt: „Gleichzeitig sind wir ansprechbar für Gemeinden, die ihre Kasualverantwortung nicht abdecken können. Durch assoziiertes Pastoralpersonal kann, wenn gewünscht, auch weiterhin die entsprechende Pfarrperson die Kasualie übernehmen.“
Für die Umsetzung werden jetzt Räumlichkeiten für Verwaltung und Vorbereitung von Kasualhandlungen gesucht, ein umkompliziert zu erreichendes Kirchgebäude sowie weitere Absprachen über die punktuelle Nutzung von Kirchgebäuden getroffen. Zudem, so Chiara Faber, seien die Auffindbarkeit, das Erscheinungsbild und Funktionalität der digitalen Präsenz sowie die Erreichbarkeit entscheidend für den Erstkontakt. In der ersten Anlaufphase stehen neben dem Aufbau einer digitalen Präsenz auch der Aufbau eines Netzwerks von Musiker*innen, Kontakten zu Bestattungsunternehmen sowie assoziiertem Pastoralpersonal an.

