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Friedensgottesdienst und Lesung zum 85. Jahrestag des deutschen Angriffskrieges

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Am Sonntag, 1. September, lädt die Ev.-Reformierte Gemeinde um 18 Uhr zu einem Friedensgottesdienst ein in die Süsterkirche in der Bielefelder Innenstadt. Zudem findet am Mittwoch, 4. September um 19 Uhr eine Lesung und Musik in der Süsterkirche statt mit Willi Kemper (Autor) und den Musikern Bertold Becker (Piano) und Matthias Kosmahl (Kontrabass) mit dem Titel „Felix am Fluss. Eine Kindheit nach dem Krieg.“

85 Jahre ist es her, dass die deutsche Wehrmacht mit dem Überfall auf Polen am 1. September 1939 den Zweiten Weltkrieg begann. In weniger als 40 Tagen verloren über 100.000 Menschen ihr Leben, ungezählte ihre Heimat, Europa und die Welt ihren Frieden. Sechs Jahre später waren 60 Millionen Menschen tot. Unsägliches Leid ist damals von Deutschland ausgegangen. Es waren Eltern, Großeltern und Urgroßeltern, die mit in den Krieg zogen, zum Teil, weil sie es mussten, zum Teil, weil sie es wollten.

In der Regel wird der Kriegsbeginn mit dem 1. September verbunden. Doch genauso kann die Gewalt dieses Krieges vordatiert werden. Denn diese Gewalt begann bereits 1933, von Deutschen gegen Deutsche: gegen Sozialisten und Kommunisten, gegen jüdisch-stämmige Menschen, gegen Homosexuelle, Sinti und Roma. Am 9. November 1938 wurde die Gewalt öffentlich. Erst brannten die Synagogen, Menschen wurden denunziert, verschleppt und gezielt ermordet. Dann, 1939 brannte die ganze Welt.

Die Nationalsozialisten und alle, die sie wählten und an die Macht brachten, waren die Brandstifter. Zur Wahrheit gehört eben auch, dass viele davon die Urgroßeltern und Großeltern der heute Lebenden waren. Und diese Geschichte wirkt bis heute nach. Daher geht es im Gottesdienst, der von Pfarrer Bertold Becker und Team gestaltet wird, auch um das Gedenken dieser Schuldgeschichte. Dazu gehört auch die Frage nach der Verantwortung, die daraus zuwächst, nämlich Wege des Friedens, der Verständigung und Versöhnung zu suchen und zu gehen.

Am Mittwoch, 4. September, erzählt der bildende Künstler und Autor Willi Kemper von seiner Kindheit. Er beobachtet genau, fragt nach, warum sein Vater schweigt, warum das Töten von Spatzen eine Selbstverständlichkeit war und warum alle Männer vor Kriegerdenkmälern stillstehen und ein Kommando ertönt. Hut ab zum Gebet. In seinem Buch: Felix am Fluss. Eine Kindheit nach dem Krieg, kommen Kinderaugen und Ohren zu Wort, die hineinführen in eine Zeit, die längst vergangen scheint– und doch immer noch präsent ist.

Willi Kemper schreibt: „Ich spüre immer stärker, dass der mörderische Nazi-Krieg, der in meinen ersten Lebensjahren wütete, tiefe Spuren in meinen Genen hinterlassen hat. Ich kann die heutigen Bilder der Kriege kaum noch sehen, ich flüchte davor, habe Albträume und kann immer weniger verstehen, wie sehr die Kriege wieder das Weltgeschehen bestimmen… In meinen Genen steckt die Angst vor Krieg und Faschismus."

Die Erzählungen der Kindheit und Jugend werden musikalisch aufgegriffen und durch Jazz-Improvisation und Kirchenchoral verdichtet. Der Eintritt zu der Veranstaltung ist frei. Um eine Spende am Ausgang wird gebeten.

 

 

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