In seinem Bericht vor den rund 100 Delegierten aus Gemeinden und Diensten sowie berufenen Mitgliedern ging Superintendent Christian Bald zunächst auf den vergangenen Kirchentag in Hannover und das Motto ‚mutig, stark, beherzt‘ ein und betonte, dass die Herausforderungen, in denen wir als Kirche stünden, groß seien und in ihrem ganzen Ausmaß Mut erfordern: „Wir tagen heute als Synode, weil Gegenwart und Zukunft der Kirche zu allen Zeiten und auch an immer neuen Orten den Menschen eine Herzensangelegenheit gewesen ist. Gottes Wort kommt von Herzen. Gottes Wort geht zu Herzen. Und überall, wo Gottes Wort von Herzen kommt, und zu Herzen geht, da wachsen Glaube, Hoffnung und Liebe – da wächst die Kirche.“
Dies gilt, so der Superintendent, auch angesichts der Herausforderungen im Umgang mit Verletzungen der sexuellen Selbstbestimmung im Kirchenkreis und ging auf den Strafantrag gegen einen ehemaligen Jugendmitarbeiter ein, der am 4. Juni vor dem Amtsgericht Bielefeld verhandelt wurde. Mit dem dort gesprochenen Urteil sei die unabhängige juristische Aufarbeitung abgeschlossen, jedoch: „Weitere Schritte der Aufarbeitung müssen nun folgen. In den kommenden zwei Jahren wird die sozialwissenschaftliche Aufarbeitung der Geschehnisse in der Jugendarbeit der Nachbarschaft 06 das Leben im Kirchenkreis begleiten.“ Bald: „Aufarbeitung ist Arbeit an verloren gegangenem Vertrauen.“
Mit Blick auf die demografische und strukturelle Entwicklung im Kirchenkreis revidierte der Superintendent die noch vor wenigen Jahren als handlungsleitend geltende Freiburger Studie mit einer Halbierung der kirchlichen Präsenz im Jahr 2060. Inzwischen sei Konsenz. dass dies bereits 2040 eintreffen werde: „Jetzt gilt es im Blick auf die Auftragsgestaltung und die Gebäudestruktur mutige Entscheidungen zu treffen. Jetzt gilt es Transformationen auf den Weg zu bringen, die in die Zukunft weisen. Unsere aktuellen Gebäude- und Personalstrukturen stehen in Verbindung mit einem Kirchenbild, das in den zurückliegenden Jahrzehnten seine Zeit hatte. Es war eine gute und vielfach segensreiche Zeit! Jetzt aber ist die Zeit für Neues.“
Dazu, so Bald, gehören auch strukturelle Veränderungen. So gestalte das Jugendreferat derzeit den Abschied vom jahrzehntelangen Nachbarschaftsmodell. Die Kuratorien der vormaligen Nachbarschaften werden der Regionalstruktur des Kirchenkreises angepasst und mit einer entsprechenden Leitungsstruktur hinterlegt.
Strukturanpassungen solle es auch auf Gemeindeebene geben mit einer alternativen Form der Gemeindeleitung. Bis zum Jahr 2032 haben sie die Möglichkeit, ein Modell von Leitung auszuprobieren, das flexibel auf Veränderungen reagiert. Dadurch, so Christian Bald, seien Kooperationen von Gemeinden möglich, ohne sogleich zu fusionieren. IPT-Kräfte etwa können auf dieser Grundlage stimmberechtigt in der Gemeindeleitung mitwirken. Zugleich betonte er jedoch: „Aufbrüche im kirchlichen Leben sind nicht auf Strukturveränderungen zu reduzieren. Strukturveränderungen dienen keinem Selbstzweck. Im besten Fall geschehen Aufbrüche aus einer Auftragsorientierung und ziehen von daher am Bedarf orientierte Strukturreformen nach sich.“
Jenseits von strukturellen Anpassungen ging der Superintendent auch auf zahlreiche positive wie kreative Aufbrüche ein, die im Kirchenkreis im vergangenen jahr auf den Weg gebracht wurden. Hier nannte er unter anderem „Bielefeld singt!“ – das als „Stadionsingen“ vor etwas mehr als zwei Jahren durch das Öffentlichkeitsreferat angestoßen wurde. Erstmals wurde die Veranstaltung am 4. Advent 2024 in der Schüco Arena durchgeführt. Tatkräftig unterstützt durch die Koordination des Stadtkantorates und der Posaunenchöre im Kirchenkreis.
Auch die Pop-up-Trauungen, die im vergangenen Jahr gleich zweimal angeboten wurden, fanden neben dem Auftakt in der Neustädter Marienkirche und zuletzt in der Johanniskirche ein sehr positives Echo in der Stadtgesellschaft. Bald betonte hier, dass die achtsame Vorbereitung bei Werbung und Anmeldungen, Vorbereitung des Kirchraums und der Segensorte sowie der Beteiligung von Kirchenmusikerinnen und Kirchenmusikern eine sehr ansprechende und freundliche Atmosphäre gewährleistet hätten.
Die vielen weiteren kreativen Aufbrüche fasste der Superintendent zusammen unter dem Schlagwort der Lebensweltorientierung. Hier nannte er zudem den Bereich der Kindertageseinrichtungen des Kirchenkreises als ‚Präsenzorte einer lebendigen Kirche vor Ort‘ sowie die Reichweite religiöser Bildung im Kontext allgemeinbildender Schulen und der Tätigkeitsfelder der Pfarrerinnen und Pfarrer im Berufsschuldienst.
Mit Blick auf die im Juni erstmals stattgefundene Presbyterklausur im Kloster Loccum mit der deutlichen Ermutigung zum Aufbruch und den Bezug auf sein eingangs zitiertes Motto des Kirchentages schloss Bald seinen Bericht ab: „Die Klausur war ein Empowerment. Die Teilnehmenden bekamen eine Ahnung davon, was die Bibel meint, wenn sie von einem „brennenden Herzen“ spricht. Ein solches Herz brauchen wir. Ein solches Herz erhalten wir, wenn wir Vertrauen wagen, wenn wir mutig, stark und beherzt die Aufgaben angehen, in die wir gestellt sind.“

