Die Evangelische Kirche steht vor großen Herausforderungen: Immer mehr junge Menschen treten aus der Kirche aus, und auch die Zahl der Mitglieder in unserem Kirchenkreis sinkt stetig. Doch gerade für die Zukunft unserer Kirche ist es wichtig, die Bedürfnisse und Erwartungen der jungen Generation ernst zu nehmen und sie aktiv in unsere Kirche einzubinden.
Statistiken zeigen, dass bis zum 31. Lebensjahr fast ein Drittel der Männer und Frauen die Kirche verlassen. In Bielefeld sind in den letzten drei Jahren jährlich rund 1700 Menschen ausgetreten. Der demografische Rückgang wird durch die hohe Zahl an Verstorbenen noch verstärkt. Deshalb ist es umso wichtiger, junge Menschen frühzeitig zu erreichen und ihnen zu zeigen: Die Kirche ist für sie da, bietet Gemeinschaft, Unterstützung und Hoffnung.
Ein vielversprechender Ansatz, um junge Menschen zwischen 12 und 31 Jahren anzusprechen, ist das Projekt „Kirchenpost“. Dieses Programm, das bereits seit 2015 in Bayern und Württemberg erfolgreich läuft, möchte die Bindung junger Menschen an die Kirche stärken. Ziel ist es, sie auf eine persönliche und kreative Weise zu erreichen – und das in einer Form, die bei ihnen auch wirklich ankommt: in Papierform.
Warum Papier? Weil junge Menschen heute kaum noch Briefe erhalten und sie umso bewusster wahrnehmen, wenn sie Post in der Hand haben. Die kreative Kirchenpost, die direkt ins Haus kommt, fällt auf und lädt zum Nachdenken ein. Die Themen sind sehr unterschiedlich und beziehen sich auf das Leben der jungen Menschen, zum Beispiel die Bedeutung der Konfirmation, Praktikumsplätze, ein freiwilliges soziales Jahr, Kirchensteuern, die digitale Kirche oder den Sinn des Lebens.
Die Post an junge Leute enthält QR-Codes, die zu einer Webseite mit weiteren Informationen führen. So können Jugendliche und junge Erwachsene, aber auch Frischvermählte, regelmäßig mit positiven Botschaften und aktuellen Angeboten der beteiligten Kirchenkreise in Westfalen rechnen. Doch es geht nicht nur um die Verbreitung von Postwurfsendungen. Die Webseite bietet gute Hilfen im Alltag bei Fragen rund um Kirche und Glauben. Die User*innen können regionale Gruppen und Anlaufstellen vor Ort finden und digitale Angebote und Infos entdecken. Im besten Fall entsteht ein Dialog zwischen Kirche und Jugend – eine Chance, um Vertrauen aufzubauen und gemeinsam neue Wege zu gehen.
Eine Chance, die in zehn Kirchenkreisen in Westfalen, darunter auch der Kirchenkreis Bielefeld, in den nächsten drei Jahren getestet wird. Die Resonanz in Süddeutschland ist äußerst positiv: 90 Prozent der Befragten bewerten die „Kirchenpost“ mit gut oder besser. Viele berichten, dass kreative Karten mehr Aufmerksamkeit erregen als herkömmliche Briefe oder E-Mails und dass sie endlich mal Post mit positiven Inhalten erhalten.
Ziel ist es, über drei Jahre hinweg Erfahrungen zu sammeln und herauszufinden, wie Kirche junge Menschen noch besser ansprechen kann. Es ist eine Gelegenheit, mit jungen Mitgliedern ins Gespräch zu kommen und ihnen die Kirche als einen lebendigen Ort der Gemeinschaft nahezubringen.

