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Wissenschaftliche Studie zur Aufarbeitung von Verletzungserfahrungen

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Im August 2021 hatte der Evangelische Kirchenkreis Bielefeld Strafanzeige aufgrund des Verdachts von Verletzungen der sexuellen Selbstbestimmung durch einen hauptamtlichen Jugendmitarbeiter in der Dietrich-Bonhoeffer-Gemeinde gestellt. Die Staatsanwaltschaft Bielefeld hat die Ermittlungen inzwischen abgeschlossen und Anklage erhoben.

Jetzt hat der Evangelische Kirchenkreis Bielefeld einvernehmlich mit Betroffenen eine wissenschaftliche Studie zur Aufarbeitung von Verletzungserfahrungen in Auftrag gegeben, die junge Menschen in der verbandlichen Jugendarbeit des Kirchenkreises – im spezifischen der Nachbarschaft 06 in der Ev. Dietrich-Bonhoeffer-Gemeinde – im Zeitraum zwischen etwa 2000 und 2021 gemacht haben.

Mit der Durchführung dieser Studie wird der 1989 gegründete und in Berlin ansässige Verein Dissens – Institut für Bildung und Forschung e.V. beauftragt. Das Institut führt seit 2020 Aufarbeitungsstudien durch, wie zum Beispiel eine Aufarbeitungsstudie für das Bistum Essen oder ein Teilprojekt der Studie ForuM zur Aufarbeitung von sexualisierter Gewalt und anderen Missbrauchsformen in der evangelischen Kirche und Diakonie.

Ein zentraler Bezugspunkt der wissenschaftlichen Aufarbeitungsstudie ist die Perspektive der Betroffenen. Angedacht ist ein kontinuierlicher Dialog über das Geschehene sowie die aktuellen Erkenntnisse der Aufarbeitung. Die konkreten Formen der Beteiligung werden mit den Betroffenen diskutiert und gemeinsam entwickelt.

Ein wichtiger Teil der Studie wird die Analyse der Strukturen sein, die sexualisierte Gewalt ermöglicht haben bzw. ermöglichen. Sie soll den angestoßenen Aufarbeitungsprozess durch systematisch erhobene Erkenntnisse zu den Aufarbeitungsfällen und deren Bearbeitung unterstützen. Sie arbeitet mögliche tatbegünstigende Strukturen heraus und benennt Verantwortliche mit dem Ziel, Impulse für zukünftige Präventions- und Interventionsverfahren zu ermöglichen.

Anhand von Einzel- und Gruppeninterviews soll zudem herausgearbeitet werden, welche Strukturen und welche personellen Verantwortlichkeiten die Tatvorwürfe begünstigten und ermöglichten. Aber auch die Fragen, welche Auswirkungen die mutmaßlich ausgeübte sexualisierte Gewalt auf die Betroffenen hatte und welche Erfahrungen bei der Aufdeckung sexualisierter Gewalt gemacht wurden einschließlich der Frage, ob Aufdeckungsbemühungen ggf. auch behindert wurden.

Die gesamte Studie wird von einer Begleitgruppe unterstützt. Der Abschlussbericht mit der wissenschaftlichen Aufarbeitung wird neben entsprechenden Empfehlungen auch der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden. Der Kirchenkreis geht anhand der Projektskizze von einer Bearbeitungszeit von insgesamt 21 Monaten aus. Nach einer vorbereitenden Phase wird eine vertiefende Aufarbeitung z. B in Form von Interviews beginnen, sobald das Gericht entschieden hat. Die Kosten für die gesamte Studie bewegen sich im unteren sechsstelligen Bereich.

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