Porträt Sebastian Stussig

Bielefeld stiftet Singen

„Einfach ein gutes Erleben von Gemeinschaft“

Klassik, Jazz, Gospel, Rock: Musik ist für Pfarrer Sebastian Stussig unverzichtbar

Durch das Schiff der Evangelisch-lutherischen Kirche in Brake klingen helle, etwas hauchige, erdige Töne – und erfüllen den ganzen Raum mit einer einnehmenden Wärme. Sebastian Stussig übt auf seinem Saxophon. Gefühlvoll stimmt er mal ein paar Kirchenlieder an, dann ein paar Jazzsongs. Er genießt den Nachhall in dem über ein Jahrhundert alten Gebäude. „Das Saxophon ist für Kirche und Kirchenmusik natürlich ein eher ungewöhnliches Instrument“, sagt der 35-jährige Pfarrer der Braker Gemeinde. „Aber seine Stärke ist, dass es sowohl die weicheren Klänge von Streichern, als auch die etwas härteren von Blechblasinstrumenten abbilden kann.“

„Es ist einfach ein dankbares Instrument, weil die Menschen dann oft denken, das ist ja cool“, ergänzt Stussig. Seit vier Jahren ist er in Brake im Pfarrdienst und stimmt auch schon mal im Gottesdienst das Saxophon an, etwa „Stille Nacht, heilige Nacht“ an Heiligabend. Das erfasse die die Gemeinde auf eine ganz andere Art und Weise. „Ich würde mir viel mehr wünschen, dass die Menschen die Kirchenmusik mehr als ein gutes Erleben von Gemeinschaft erfahren“, so der Vater von drei Kindern. „So dass man das Gefühl hat: das gibt mir musikalisch was, aber auch persönlich.“

Stussig selbst hat früh angefangen, Blasinstrumente zu spielen. Schon als Kleinkind war er fasziniert von Trompeten, erinnert er sich. „Allerdings fing es erst mit einer Blockflöte an. Meine Eltern wollten sehen, ob das mit der Musik Sinn macht. Doch schnell kam ich dann in den Posaunenchor in Ubbedissen und spielte Trompete. Das Kirchliche stand da weniger im Vordergrund, sondern das Musik machen.“ Der Jugendliche war damals wie viele begeistert von Punkrock, alternativem Rock, Jazz. „Auch heute höre ich viele verschiedene Musikstile. Nur: alles, was mit Bläsern zu tun hat, spricht mich etwas mehr an.“

Erst im Posaunenchor kam Stussig richtig mit klassischer Kirchenmusik in Kontakt und lernte sie spielen. Tief beeindruckt haben ihn ab da auch die Passionen von Bach oder Stücke von Händel und anderen Komponisten. Musik im kirchlichen Raum begleitete ihn auch im Schulorchester oder während des Studiums. „Wir können uns manchmal den Mund fusselig reden mit der Botschaft, die wir haben. Und dann hört man manche Instrumental- oder Gesangstücke, die bringen viel mehr auf den Punkt, was wir in einer Predigt versuchen zu sagen. Das ist eine große Stärke der klassischen Kirchenmusik.“

Natürlich hätten manche Lieder ihre Zeit gehabt: „Konfirmanden kann man damit zunächst nicht unbedingt gewinnen. Neues Liedgut versucht da etwa mit einfacherer Sprache und auch weniger Strophen zu überzeugen.“ Die Lobpreis- und Worshipmusik mit ihrem populären Stil habe auch ihn als Jugendlichen in der Kirchengemeinde eher angesprochen: „Das ist für einige genau richtig.“ Gut sei es, dass ein Posaunenchor diese Bandbreite abdecke.

Das sei auch in der Braker Gemeinde so mit zwei Kirchenchören, Kinderchor, Kirchen-Band und Posaunenchor. Letzterer habe schon den Soundtrack von „Ghostbusters“ inszeniert. Ebenso gab es einen Gottesdienst mit der Musik aus „Herr der Ringe“. „Ich glaube, dass eine größere Bandbreite mehr Leute anspricht.“ Es müsse heute einen „Ausgleich zwischen der traditionellen und neueren Musik“ geben. Eine spannende Kirchenmusikkultur zwischen Tradition und Moderne seien die Gospelsongs. „Das ist etwas, das wir so gar nicht leben“, meint der Pfarrer. „Ich fände es cool, wenn es das mehr gäbe.“

Sebastian Stussig wäre vor allem froh, wenn mehr Kinder und Jugendliche wie er selbst die Freude am Musik spielen und Singen erleben könnten. „Leider wird das in der Breite nicht mehr so gefördert und steht in der Freizeit nicht mehr oben. Auch weil Instrumente sehr teuer sind.“ Kirche könne hier viele Möglichkeiten und Chancen eröffnen. Musik schaffe so starke Verbindungen und könne für ein ganzes Leben prägen – auch die Kirchenmusik.

Kirchliche Stiftung unterstützt Musik

Mit ihrem neuen Fonds "Bielefeld stiftet Singen" fördert die Evangelische Stiftung für Bielefeld dauerhaft Gesang und Musik in der ganzen Stadt. Wer die 2003 auf Initiative des Evangelischen Kirchenkreises Bielefeld gegründete Stiftung dabei finanziell unterstützen möchte, kann sich hier informieren: www.evangelisch-stiften.de

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